Hier findet ihr die studentischen Lehrenden, die im aktuellen Durchlauf ihre Arbeiten vorstellen!
Nassma Abdelouahabi studiert Deutsch und Geschichte im Master of Education. In ihrer Bachelorarbeit „Heldenduo oder Einzelheld“ widmet sie sich dem ersten deutschsprachigen Prosaroman „Loher und Maller“, welcher trotz seiner literaturgeschichtlicher Bedeutung noch immer ein Randdasein führt. Zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit, zwischen französischer Vorlage und deutscher Transformation, wurde er lange unterschätzt. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Dynamik zwischen den beiden Co-Protagonisten. Identität wird hier nicht als feste Eigenschaft, sondern als performativ erzeugte, gefährdete Kategorie gezeigt, die sich in sozialen und narrativen Aushandlungen stabilisiert oder destabilisiert. Mithilfe des Aktantenmodells nach Greimas untersucht sie exemplarische Szenen und zeigt, dass Handlungsmacht und Identität nicht einem Einzelnen gehören, sondern kooperativ ausgehandelt werden.
Virtus unita fortior – vereint ist die Tugend stärker.
So möchte auch sie gemeinsam mit euch diesen Text neu beleben.
Bonnie Aurich studiert seit dem Wintersemester 2025/2026 Gender Studies und Komparatistik im 2-Fächer-Master an der Ruhr-Universität Bochum. Im Rahmen ihres Studiums beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit den Themenkomplexen Gewalt, Antisemitismus, Migration, Exil und Diaspora, wobei sie transdisziplinäre Zugänge herzustellen versucht. Besonders interessiert sich Bonnie dafür, inwiefern kollektive Gewalterfahrungen durch narrative Strategien vermitteln werden und dadurch zur Erinnerung, Aufarbeitung sowie Identitätsbildung beitragen können. Ausgehend davon untersuchte sie in ihrer Bachelorarbeit im Fach Komparatistik die Potenziale ebenso wie Grenzen literarischer Zeugnisse des Völkermordes an den Êzîden durch den sogenannten „Islamischen Staat“. Die darin formulierten (Zwischen-)Ergebnisse möchte sie in ihrem Beitrag zur HERMAION-Ringvorlesung vorstellen.
Moritz Böing (er/ihn) studiert den Zwei-Fach-Master in Arabistik/Islamwissenschaft und in Religionswissenschaft. Zuvor hat er an der Freien Universität Berlin jeweils einen Bachelor of Arts in Islamwissenschaft und in Politikwissenschaft abgeschlossen. Seine Bachelorarbeit in Politikwissenschaft schrieb Moritz über die „Funktion öffentlicher Moral in Ägypten unter Abd al-Fattah as-Sisi“. Im Rahmen dieser Arbeit untersuchte er die mediale Berichterstattung zum Gerichtsprozess gegen den Schriftsteller Ahmed Nagui im Jahr 2016. Ein Interview, das Moritz mit dem Schriftsteller führen konnte, wurde im Jahr 2018 auf der Plattform Qantara unter dem Titel „Wenn Schreiben zur Straftat wird“ veröffentlicht. In seinem Vortrag „Analyzing ʿAyb: Podcasting Discourses on Nonnormative Sexuality and Gender in Arabic Vernacular“ stellt Moritz die Ergebnisse seiner Analyse einer 2017 in Jordanien produzierten Podcastfolge des arabischsprachigen Podcasts „ʿAyb“ (arab. „Schande“) vor, in der zwei homosexuelle Männer mit einer Moderatorin über ihr Coming-Out sprechen. Die Arbeit zeigt, dass der Podcast Räume eröffnet, in denen die Stimmen homosexueller Männer hörbar werden und in denen durch ihre Selbstzeugnisse die hegemonialen, auf Heteronormativität und Patriarchat basierenden Diskursordnungen herausgefordert werden. Durch Podcasts wie ʿAyb können demzufolge neue Epistemologien sexueller Diversität entstehen, da sie Räume der kollektiven Imagination eröffnen bzw. erweitern. Moritz legt außerdem dar, dass der Podcast als ein Beispiel „öffentlicher Pädagogik“ gelten kann.
Yasmin Bruns (sie/ihr) studiert den 1-Fach-Master Komparatistik an der Ruhr-Universität Bochum. In ihrem Vortrag möchte sie über ihre Hausarbeit zum Thema „Utopie, Dystopie und der closed circle: Zur Form von Isolation, Raum und Kontrolle in Dave Eggers The Circle“ sprechen und erläutern, wie digitale Kontrollmechanismen narrative Räume strukturieren und Subjektivität dadurch geformt werden kann. Dabei werden die Konzepte von Überwachung, Transparenz und sozialer Isolation sowie deren räumliche und machtpolitische Dimensionen innerhalb dystopischer Narrative beleuchtet. Der Vortrag soll zeigen, wie The Circle gegenwärtige digitale Diskurse literarisch reflektiert und kritisch zuspitzt und leistet damit einen Beitrag zur interdisziplinären Auseinandersetzung mit Literatur im Kontext digitaler Kulturen. Ergänzend werden weitere literarische Werke herangezogen, um die Übertragbarkeit der Analyse auf andere Texte aufzuzeigen.
Lukas Grudzinski (Er/him) studiert im 2-Fach-Master of Arts Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum mit einem Schwerpunkt in Neuer deutscher Literatur. In seiner Forschungsarbeit setzt er sich mit der Editionsgeschichte Georg Christoph Lichtenbergs Sudelbücher auseinander und versucht aufzuzeigen, wie durch generationenübergreifend verfehlte Editionen, die besondere Aufschreibetechnik Lichtenbergs verstellt wurde.
Florian Käune studierte Musik und Mathematik auf Lehramt in Paderborn, Detmold und Essen sowie Musikwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Folkwang Universität der Künste Essen und der Ruhr-Universität Bochum. In seiner Masterarbeit zu „Magie und Musik im 20. und 21. Jahrhundert“ fragt er sich, was eigentlich gemeint ist, wenn von der „Magie der Musik“ gesprochen wird – sei es im Feuilleton, in ästhetischen Auseinandersetzungen oder in kulturwissenschaftlicher Literatur. Dabei zeigt er anhand eines konkreten Beispiels, wie der Begriff Fehlannahmen und koloniale Denkmuster in vermeintlich rational-aufgeklärte Debatten transportiert, und diskutiert, was das für den wissenschaftlichen Umgang mit zeitgenössischer Kunst bedeutet.
Max Königshofen (keine/they/er) studiert im 2-Fach-Master Gender Studies und Medienwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Darüber hinaus arbeitet Max als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Gender Media Studies unter besonderer Berücksichtigung von Diversität bei Prof.in Dr.in Julia Bee, ebenfalls an der RUB. Max forscht an der Schnittstelle von Medien und sozialen Gerechtigkeitsfragen und schreibt derzeit eine Masterarbeit über Antifaschismus in Videospielen. Mit einem Vortrag zu digitaler queerfeministischer Bildung anhand des YouTube-Kanals Philosophy Tube schlägt Max Königshofen vor, die Videos der YouTuberin Abigail Thorn als ein eben solches Bildungsformat zu verstehen. In Zeiten einer globalen Faschisierung, die über verschiedene rechtskonservative bis rechtsextreme Lager hinweg Antifeminismus, Antigenderismus und Transfeindlichkeit als ideologischen Kitt verwendet, leisten Content Creator*innen wie Abigail Thorn oder Natalie Wynn (ContraPoints) auf digitalen Plattformen Bildungsarbeit, die sich dieser rechten Geschlechterpolitik in den Weg stellt. Diese entscheidende Bildungsarbeit wird hier nicht von staatlicher oder institutioneller Seite aus durchgeführt, sondern es sind einzelne, oft selbst queere und trans Akteur*innen, die durch die Einbeziehung ihrer eigenen Biografien einerseits ihren Formaten eine persönliche Ebene verleihen und eine starke Publikumsbindung aufbauen, durch ihre prominente Präsenz jedoch auch umso mehr transfeindlicher und antifeministischer digitaler Gewalt ausgesetzt sind.
Katharina Lindner (sie/ihr) studiert im 2-Fach Master Gender Studies und Medienwissenschaft and der RUB; ihren Bachelor hat sie in Sprach- und Textwissenschaften abgeschlossen. In ihrer Bachelorarbeit „Interaktive Machtstrukturen – Die Darstellung von weiblichen Monstern und ihre Rolle im Machtgefüge von The Witcher 3: Wild Hunt“ hat sie anhand patriarchaler Geschlechterrollen und Ansätzen der feministischen Medientheorie untersucht, wie das behandelte Videospiel Weiblichkeit bei Gegnerinnen und Monstern sexualisiert, stereotypisiert und entmachtet darstellt und somit patriarchale Werte reproduziert. In ihrem Vortrag möchte sie neben dieser Darstellung aufzeigen, wie die Interaktivität des Mediums und damit die Spielenden selbst genutzt werden, um Geschlechterrollen aufrecht zu erhalten.
Bianca Robok studiert im Zwei-Fach-Bachelor Koreanistik und Slavische Philologie mit dem Schwerpunkt Polnisch an der Ruhr-Universität Bochum. In ihrem Vortrag beschrieben sie sich mit den Männlichkeitsbildern im polnischen Film am Beispiel von Kler (2018). Ausgehend von film- und kulturwissenschaftlichen Ansätzen untersucht sie, wie filmische Mittel zur Darstellung und gleichzeitigen Dekonstruktion von Männlichkeitsentwürfen im Kontext kirchlicher Machtstrukturen eingesetzt werden.
Lisa Römer [sie/ihr] schloss im Sommersemester ihren Master of Arts in Medienwissenschaft und Gender Studies – Kultur, Kommunikation, Gesellschaft mit Auszeichnung ab. Im Verlauf ihres Studiums setzte sie sich in verschiedenen Kontexten (historisch, feministisch, medial) mit Hexen auseinander und entwickelte eine Faszination für diese ambivalente Figur, die sie in ihrer Masterarbeit um eine postkoloniale Perspektive erweitert. Ihre Masterarbeit WITCHES IN EXILE – Die Hexenfigur zwischen kollektivem Stigma und individueller Erscheinung in Fotografie und Ausstellungsraum analysiert die Ausstellung und gleichnamige Porträtserie Witches in Exile von Ann-Christine Woehrl im ethnologischen Museum Fünf Kontinente in München. Untersucht wird die fotografische Gestaltung sowie museale Inszenierung aus postkolonialer und medienwissenschaftlicher Perspektive. Im Fokus steht dabei das Spannungsfeld der (Hexen-)Figur zwischen würdevoller Erscheinung und der Reproduktion eurozentrischer, kolonial geprägter Blickregime. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur kritischen Reflexion zeitgenössischer Ausstellungs- und Repräsentationspraktiken ethnologischer Museen
Renée Francine Schönwälder (sie/ihr) studiert im 1-Fach Master Komparatistik an der Ruhr-Universität Bochum. Ihren Vortrag hält sie über ihre Bachelorarbeit zu „Mathematischen Verfahren in Erzählungen von Borges und Chiang“, in der sie die literarische Verarbeitung von Mathematik, Mathematiker*innen sowie mathematischen Theorien untersucht. Neben unendlichen Räumen und nichtlinearen Systemen spricht sie auch über Figuren, die die Schattenseiten der Wissenschaft in den Erzählungen von Jorge Luis Borges und Ted Chiang darstellen. Sie gibt einen Einblick in die vielfältige literarische Gestalt einer Disziplin, die bereits seit der Antike eine Rolle in der Literatur spielt.
TW: Sexualisierte Gewalt, Trauma
Lisa Thos (sie/ihr) studiert im Master Gender Studies und Anglistik an der RUB. Zuvor hat sie an der HHU Düsseldorf Anglistik und Romanistik im Bachelor studiert und einen zweiten Bachelor in Sozialwissenschaften (Kultur, Individuum und Gesellschaft) an der RUB absolviert. In ihren beiden Abschlussarbeiten hat sie sich intensiv mit der literarischen Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt in englischsprachigen Werken befasst und herausgearbeitet, wie Identität, Trauma und Wahrheit als Konzepte in Fiktion und Nicht-Fiktion behandelt werden. In der HERMAION-Ringvorlesung möchte sie mit den Studierenden ein grundlegendes Verständnis von sexualisierter Gewalt und den verschiedenen Zugängen zum Thema in der Literaturwissenschaft herausarbeiten, um einen gewinnbringenden Beitrag zu dieser gesellschaftlich relevanten Diskussion zu leisten.












